31.08.2017

Mehr Tierwohl durch bessere Kommunikation und Ausbildung

– Farm Animal Well-Being Expertforum 2017 –

Abb. 1: Referenten und Moderator auf dem Forum v.l.n.r.: Mike Siemens, Alison Bard, Daniel Nowland, Dan Weary, Jon Huxley, Suzanne Millman, Duncan Sinclair, David Fraser, Xavier Manteca (Moderator), Katrine Lecornu


Tierwohl ist in aller Munde, es entstehen Tierwohllabel, in der Theorie ist viel Wissen durch Studien zum Schmerzempfinden bei Tieren geschaffen worden – und doch ist Tierwohl für die meisten Beteiligten ein schwieriges Thema geblieben. Welche Stolpersteine es bei der Umsetzung seitens der Landwirte, Tierärzte und der Lebensmittelindustrie gibt, wurde auf dem jüngsten Boehringer Ingelheim Farm Animal Well-Being Expertforum deutlich. Es fand bereits zum 10. Mal statt und vereinte die Sichtweise zahlreicher internationaler Wissen- schaftler. Diese waren sich einig: Umfangreichere Ausbildungsmöglichkeiten, eine bessere Kommunikation zwischen Landwirt und Tierarzt, verstärkte Forschung zum Schmerzemp- finden und Leiden wären Wege mit viel Potential.

Unterschiede in der Wahrnehmung von Schmerz

Viele verschiedene Studien zur Verbesserung des Tierwohls mittels Schmerzmitteln wurden in den letzten Jahren veröffentlicht, berichtete Jon Huxley, University of Nottingham, UK. Einige der wichtigsten Erkenntnisse aus all diesen Arbeiten könnten in fünf Punkten zusammengefasst werden:

  1. Die Schmerzskala, die von Tierärzten angewendet wird, variiert bei gleichen Bedin- gungen bzw. Prozeduren stark: Werden Tierärzte gefragt, auf welcher Skala von 1 bis 10 sie den Schmerz einordnen sollen, sind sie sich selbst in scheinbar vergleichbaren Gruppen und Umständen uneinig. 
  2. Die Schmerzskala ist signifikant verbunden mit der Wahrscheinlichkeit einer Schmerz- mittelgabe: Eine der größten Motivationen für die Gabe von Schmerzmitteln ist die Wahrnehmung von Schmerz durch den Tierarzt. Es kann sein, dass eine Hürde für die Gabe von Schmerzmitteln ganz einfach diese ist, dass der Tierarzt den Schmerzgrad nicht richtig erfasst.
  3. Es gibt einen Unterschied bei der Bewertung von Schmerzen zwischen den Geschlechtern: Weibliche Tierärzte stufen Schmerzen höher ein als ihre männlichen Kollegen – über alle ausgewerteten Studien hinweg etwa einen halben Score höher.
  4. Es gibt einen Unterschied in der Schmerzwahrnehmung bei Tierärzten, die in unter- schiedlichen Jahrzehnten ihren Abschluss gemacht haben: Bereinigt um das Geschlecht stufen junge Tierärzte Schmerzen beim Rind für die meisten Prozeduren höher ein als ihre älteren Kollegen.
  5. Es gibt einen Unterschied zwischen der Schmerzmitteldosis, die ausgewachsenen Rindern und Kälbern verabreicht wird: Kälber scheinen weniger Schmerzmittel zu erhalten, selbst wenn ihre Schmerzen ähnlich hoch eingeschätzt werden wie bei erwachsenen Rindern. Das ist eine nicht den aktuellen Kenntnissen entsprechende Situation, denn z. B. auch Babys erhielten früher keine Schmerzmittel, weil man dachte, sie empfänden keinen Schmerz. Schon lange weiß man, dass dem nicht so ist.

Jon Huxley betonte, dass der Markt für Schmerzmittel in Großbritannien stetig wächst. Das zeige, dass die Einstellung zu Schmerzen sich bereits geändert habe und sich weiter ändere. Trotzdem gebe es noch weiterhin einige Punkte, die sich verbessern könnten. „Wenn junge Tierärzte nach der Universität in der Praxis anfangen, stoßen sie mit ihrem frischen Wissen auf alteingesessene Werte und Normen. Das haben wir immer schon so gemacht – diesen Satz bekommen sie sowohl von Tierärzten als auch von Landwirten oft zu hören. Da ist es schwer, mit neuen Ideen durchzudringen. Und trotzdem, sie sollten sich nicht entmutigen lassen, auf ihr Bauchgefühl hören und nichts akzeptieren, was offensichtlich nicht zum Wohle des Tieres ist“, so Huxley. Er schlug vor, die Vielzahl an Begrifflichkeiten – Schmerzmittel, NSAID, Entzündungshemmer – zu beenden und sich auf ein verständliches Wort zu einigen – oder ein neues zu erfinden. „Schmerzmittel, oder im englischen ‚pain killer’ oder ‚pain reliever’ sind gute Wörter, die nicht zu medizinisch lauten und auf keinen Fall mit Antibiotika verwechselt werden können. Denn was wir auf keinen Fall wollen, ist dass im Zuge der Antibiotikareduktion alle injizierbaren Medikamente, also auch die Schmerzmittel, reduziert werden. Im Gegenteil, Antibiotika könnten noch viel häufiger von Schmerzmitteln ersetzt werden.“

Schmerz äußert sich unterschiedlich

Prof. Suzanne Millman, Iowa State University, USA, beschäftigte sich mit den Methoden, wie Schmerzen beim Tier erfasst werden können. „Schmerzen sind typisch begleitet von physiologischem Stress, der Cortisolspiegel im Blut ist erhöht, der Herzschlag ebenso. Auch das Verhalten kann sich ändern als Antwort auf den Schmerz. Zum Beispiel wird der Schmerz bei der Enthornung begleitet mit heftigem Ohrwackeln und Kopfschlagen. Im Gegensatz dazu ist die Antwort bei der Kastration absolutes Stillstehen und reduzierte Aktivität.“ Es gebe bereits viele verschiedene Methoden, um Schmerzen zu messen, teils mit spontanen Reaktionen auf den Schmerzimpuls, teils mit provozierten Reaktionen. Trotzdem sei noch viel Forschung nötig, vor allem um die kognitiven Aspekte von Schmerz zu verstehen. Diese Erkenntnisse können helfen, Behandlungsmethoden oder Krankenbuchten zu verbessern. Dies könnte die Genesung beschleunigen. Eine weitere gute Möglichkeit sei es, viele Daten über die Tiergesundheit über digitale Datenerfassung zu sammeln und für die tierärztliche Praxis nutzbar zu machen.

Vorhersehbarkeit und Kontrolle reduzieren Schmerz

Die derzeit schwierigste Herausforderung ist herauszufinden was Tiere empfinden, betonte Prof. Dan Weary, University of British Columbia, Kanada. Für ihn gibt es drei Herangehens- weisen, Schmerzen zu messen: die spontane Reaktion auf einen schädlichen Impuls, die Veränderungen dieser Reaktion bei Schmerzmittelgabe sowie der tierische Versuch, den Impuls zu meiden. Doch neben Schmerzen sei auch das Leiden sehr wichtig, denn Leiden dauere länger an als der spontane Schmerz und führe zu gedrückter Stimmung, die wiederum verbunden ist mit apathischem Verhalten und Inaktivität. „Derzeit ist das Leiden bei Tieren ungenügend definiert“, so Weary. „Die Parameter Vorhersehbarkeit der Ereignisse sowie die Fähigkeit zur Kontrolle des Geschehens scheinen stark mit dem Leiden verknüpft zu sein.“ Studien an Menschen zeigen, dass Kontrolle eine Schlüsseldeterminante ist bei deren Beschreibung, ob sie ihre Situation als Leiden empfinden. Zum Beispiel kam eine Patientin mit einer geringeren Dosis Kodein aus, als sie dachte ihre Ischiaserkrankung sei der Grund ihrer Schmerzen. Doch als sie erfuhr sie habe Krebs forderte sie bei gleichen Schmerzen eine höhere Dosis. Die Krankheit Krebs brachte sie in eine Situation mit Kontrollverlust und Unvorhersehbarkeit. „Diese Situation ist vergleichbar mit der von Nutztieren: Schmerzhafte Prozeduren werden routinemäßig durchgeführt, ohne dass die
Tiere wissen, was kommen wird und ob sie darüber Kontrolle haben, was mit ihnen geschieht. Tiere können aber mit positiver Konditionierung trainiert werden, damit sie freiwillig bei schwierigen Prozeduren mitmachen. Dieses Vorgehen ist bereits der Goldstandard in einigen Zoos und Affenzentren. Makaken z. B. wurden trainiert, freiwillig ihr Bein herzuzeigen für eine Blutentnahme. Ich behaupte, dass es Schmerzen reduziert, wenn die Tiere Vorhersehbarkeit und Kontrolle darüber erfahren, was mit ihnen passiert, und dass so die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass der Schmerz zu Leiden führt.“

Milch ist mehr als nur Milch

Katrine Lecornu, European Dairy Farmers, Frankreich, stellte die Sicht der Landwirte dar. Sie managt gemeinsam mit ihrem Mann einen Betrieb mit 130 Kühen und 100 Hektar Ackerbau in der Normandie. „Bis vor kurzem war es für uns Landwirte nicht nötig, mit den Verbrauchern zu kommunizieren. Wir hatten wenig Kontakt zu ihnen. Doch die fehlende Transparenz hat dazu geführt, dass sich die jungen Leute nicht mehr mit der modernen Landwirtschaft verbunden fühlen. Hier müssen wir ansetzen“, so Lecornu. Die Landwirte müssten lernen, ihre Geschichte zu erzählen, ihre Arbeit mit den Tieren für andere verständlich darstellen. „Milch ist mehr als nur Milch, hinter dem Produkt Milch verbirgt sich die Kuhherde, die tägliche Arbeit mit den Tieren, das Leben des Landwirtes mit seiner Familie.“ Um Landwirte zur Umsetzung von mehr Tierwohl zu bewegen, sei es besser, ihnen die Vorteile dieser Bemühungen aufzuzeigen, nämlich eine längere Nutzungsdauer der Tiere, mehr Milch und mehr Milchqualität, anstatt ihnen mit mehr Auflagen zu drohen. Hier könnten die Tierärzte eine aktivere Rolle einnehmen. Landwirte sollten ihre Tierärzte nicht nur als „Feuerwehr“ sehen, sondern sie mit ihrem Wissen über die Gesundheit als Partner annehmen. Sie erinnerte aber auch daran, dass zu mehr Tierwohl auch gehöre, dass es den Landwirten selber gut gehe. „Landwirtswohl gleich Tierwohl“, so Lecornu.

Differenzierung vom Wettbewerb über Tierwohl

Das Supermarktkonzept Waitrose stellte Duncan Sinclair, Waitrose Limited, UK, vor. Vor 25 Jahren startete das Unternehmen mit dem Ziel, mit Landwirten langjährige Lieferbeziehungen aufzubauen, um über die damit verbundene Verlässlichkeit der Abnahme und Preisstabilität mehr Tierwohl umzusetzen. Heute arbeitet Waitrose mit über 2.000 landwirtschaftlichen Betrieben zusammen, hat einen Marktanteil in Großbritannien von 5,2 Prozent und ist damit die Nummer sechs im britischen Lebensmitteleinzelhandel. Aufwändige Werbung in allen Medien, die die Nutztiere in den Fokus stellen, macht das Konzept bekannter. „Wir entwickeln ständig neue Punkte beim Tierwohl zur Differenzierung von den Mitbewerbern und um den aktuellen und zukünftigen Verbraucherwünschen gerecht zu werden“, so Sinclair. Die Milchkühe grasen mindestens 100 Tage auf der Weide, die Eier auch in den verarbeiteten Produkten stammen ausnahmslos von Freilandhühnern. Aufgrund dieser Anstrengungen erhielt Waitrose für sein Konzept bereits mehrere Auszeichnungen von führenden Tierwohlorganisationen: Good Chicken, Good Egg, Good Pig und Good Dairy Awards. 2015 erreichte Waitrose den Tier 1-Status, der von der Organisation BBFAW (Business Benchmarking in Farm Animal Welfare) jährlich verliehen wird (https://www.bbfaw.com/benchmark).

Mit Labeln informierte Wahl treffen

Daniel Nowland, Jamie Oliver Group, UK, ist verantwortlich für die Umsetzung der Jamie Oliver Standards in den Produkten der Firma. „Essen hat heute einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Unsere Essenswahl definiert uns, beeinflusst unsere sozialen Gruppen, grenzt uns voneinander ab. Wir wählen im Supermarkt aus unzähligen Produkten aus. Doch auch große Lebensmittelkonzerne treffen ihre Wahl: Sie können mit ihrer Wahl unser globales Wertesystem verändern; positiv, aber auch negativ“, so Nowland. Bei weiterverarbeiteten Produkten treffe die Industrie die Wahl für die Einzelkomponenten des Essens. Umso wichtiger sei es, dass es Marken und Label gibt, denen der Verbraucher vertrauen kann, damit er weiterhin beim Essen seine eigene informierte Wahl treffen kann, speziell beim Thema Tierwohl. „Etwa 95 Prozent der Europäer und 97 Prozent der Amerikaner essen Fleisch, und noch mehr konsumieren tierische Produkte wie Milch, Eier und Käse. Da zur Herstellung dieser Produkte das Züchten und Schlachten von Tieren dazugehört, geht es um die Frage, wie dies geschieht. Übernehmen die Lebensmittelfirmen ihre Verantwortung?“ Geht beim Tierwohl etwas schief, könne dies den finanziellen Ruin einer Firma bedeuten. Tierwohl sei genau deshalb neben Nachhaltigkeit und fairem Handel DAS ethische Thema für die Lebensmittelindustrie. Jamie Oliver habe sich schon immer für die Verbesserung des Tierwohls eingesetzt. Deshalb strebe er nun strategische Partnerschaften mit der Lebensmittelindustrie weltweit an, um unter seiner Marke Produkte zu entwickeln, die hohen Tierwohlstandards entsprechen. „Das Tierwohlthema wird uns auch zukünftig begleiten, denn so sehr der Hunger nach tierischen Protein weltweit ansteigt, so sehr steigt auch der kritische Blick, was hinter den geschlossenen Türen der Ställe und Schlachthöfe passiert. Transparenz und Ehrlichkeit sind extrem wichtig, wenn es um den Handel mit tierischen Produkten geht.“

Menschliches und tierisches Wohl gleichzeitig im Blick haben

Dass es zwar viele Tierwohlstandards auf den Betrieben gebe, die Auswirkungen auf das Tierwohl allerdings im überbetrieblichen Vergleich erheblich voneinander abweichen, erklärte Prof. David Fraser, University of British Columbia, Kanada. „Die Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen und deren Auswirkungen auf das Tier variieren von Betrieb zu Betrieb, auch bei vergleichbaren Haltungsbedingungen. Das liegt am menschlichen Einfluss auf die Haltung der Tiere. Tierwohl hängt nicht nur von der Haltungsumgebung ab, sondern vielmehr von der Person, die sich um die Tiere kümmert“, so Fraser. Er macht vier Punkte aus, die seiner Meinung nach den menschlichen Einfluss gut beschreiben:

  1. fundiertes Wissen des Betriebsleiters und der Mitarbeiter: sie wissen was zu tun ist und tun dies mit Hingabe und Aufmerksamkeit
  2. sorgsames und erfahrenes Arbeiten mit den Tieren: grobe Handgriffe machen Tieren Angst und verursachen Stress bei den Tieren
  3. positive Einstellung zum Tier: Menschen, die Tiere mögen, kümmern sich automatisch besser um sie
  4. Tiere als Individuen behandeln: wenn es die Herdengröße erlaubt, ist es gut, Tiere als einzelnes Individuum anzusehen, Krankheitsanzeichen werden schneller gesehen.

„Wir können das Tierwohl als ein Ergebnis des Zusammenspiels der Tiere, der Personen und der Umgebung sehen. Wenn diese drei Bestandteile sich nicht in Harmonie befinden, ist Tierwohl nicht umzusetzen“, so Fraser. Auf guten Betrieben sehe er diese Harmonie. Auch er wies darauf hin, wie wichtig es ist, dass es den Menschen gut geht, die die Tiere betreuen. „Studien zur Verwahrlosung von Tieren zeigen, dass das Grundproblem häufig mentale oder physische Schwierigkeiten sind, verursacht durch das Alter, körperliche Gebrechen und zusätzlich finanzielle oder familiäre Probleme. Es müssen also Verbes- serungen zugleich beim menschlichen Wohlbefinden und beim Tier einsetzen, damit die Maßnahmen effektiv sind.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Dr. Mike Siemens, Arrowsight Global Agribusiness, USA, betonte, dass große Nahrungs- mittelproduzenten wie z. B. Cargill das Thema Verbesserungen beim Tierwohl ganz oben auf der Agenda haben. „Große Lebensmittelfirmen haben heutzutage Tierwohl als einen Eckpfeiler ihrer Produktion etabliert und helfen auch ihren Lieferanten in allen Ebenen, diese Standards umzusetzen.“ Allerdings sei es auch wichtig, die getroffenen Maßnahmen gründlich zu kontrollieren, damit Missstände auch wirklich vermieden werden. Schließlich habe jeder Teilnehmer der Produktionskette – vom Landwirt über den Viehhändler bis hin zum Schlachthofmitarbeiter – einen unterschiedlichen
Hintergrund an Wissen und Motivation, was immer wieder zu Missverständnissen und Problemen führen könne. Siemens erklärte, dass Cargill aus diesem Grund Kameras in all ihren Schlachthöfen in Nordamerika installiert habe. Dieses Überwachungssystem helfe, die Standards in der Produktionskette umzusetzen und zu überwachen. Damit schaffe ein Unternehmen größtmögliche Transparenz und stelle auch die hohen Ansprüche der NGOs (Nichtregierungsorganisationen) zufrieden.

Neue Gesprächstechnik und mehr Partnerschaftlichkeit

Alison Bard, University of Bristol, UK, beschäftigte sich mit der Art und Weise, wie Tierärzte mit Landwirten kommunizieren. „Tierarzt sein bedeutet mehr als nur Wissenschaft und Be- handlung. Es erfordert, den Landwirt zu motivieren, die Haltungsbedingungen zu verbes- sern, um mehr Tierwohl zu erreichen. Kommunikation ist hier ein wichtiges Bindeglied, doch an deren Qualität muss gearbeitet werden. Tierärzte sollten ihre guten Ideen und Vorschläge nicht von oben herab an den Landwirt weitergeben. Sie müssen zuhören, um das Anliegen des Landwirtes zu erfassen und um es in die eigenen Ratschläge miteinbeziehen zu können“, so Bard. Wenn ein Tierarzt als Überwacher auftritt, verbleibt der Landwirt in einer passiven Rolle und gute Ideen werden so eher nicht umgesetzt. In Großbritannien hat man sich dieses Problems
im Rahmen des VetFutures Projektes angenommen, einer Vision für den tierärztlichen Beruf bis 2030. Die Rolle des Tierarztes soll sich verändern: Weg von einem Modell, in dem Tierärzte das anpreisen, was sie anbieten können, hin zu dem Modell, dass Landwirte ihre Wünsche äußern, was sie von ihren Tierärzten möchten. Auf diese Weise würde sich statt einer eher hierarchischen eine partnerschaftliche Beziehung ergeben. „Derzeit untersuchen wir, wie die Gesprächstechnik Motivational Interviewing helfen könnte, dass Tierarzt und Landwirt sich besser verstehen“, so Bard. Motivational Interviewing (MI), zu Deutsch Motivierende Gesprächsführung, wurde für die Humanmedizin entwickelt um die eigene Motivation des Patienten zur Veränderung zu bestärken. MI will Ambivalenzen aufdecken helfen und die Wünsche des Patienten herausfiltern, um ihn von sich aus in die Lage zu bringen, etwas zu seinem Wohl zu verändern. Wichtig bei dieser Gesprächstechnik ist es, empathisch genug zu sein, um in der Sprache des Patienten den Wunsch nach Veränderung zu erkennen. Nur dann kann er im richtigen Moment bestärkt werden. In der Humanmedizin hat sich MI bereits bewährt. Für die Interaktion Tierarzt - Landwirt sieht Bard in MI eine große Chance, dass langfristig durch partnerschaftliche Beziehungen mehr Verbesserungen im Tierwohl erreicht werden können.

von Heike Engels

Kontakt:
Dr. Heike Engels
Agrarjournalismus & PR-Beratung
Langenkamp 2
28857 Syke
mail@heikeswelten.de
www.heikeswelten.de

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