23.02.2013
Ganzheitliche Herdenproblemanalyse im Milchkuhbetrieb
Rund 20 Tierärztinnen und Tierärzte trafen sich Ende Oktober 2012 in Augsburg zu einem Workshop der Bayer-Nutztierakademie, um sich über den Einstieg in die ganzheitliche Bestandsbetreuung eines Milchviehbetriebes zu informieren. Die Teilnehmer aus Bayern und Baden-Württemberg, alle seit Jahren in der Rinderpraxis tätig, reagieren damit auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft, in dessen Folge Bestandsbetreuung immer wichtiger wird. Ihre künftige Rolle sehen sie stärker als „Partner der Landwirte rund ums Rind“. Die Bayer-Nutztierakademie sieht im Strukturwandel der Landwirtschaft und den sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Nutztierhaltung eine der größten berufspolitischen Herausforderungen der Nutztierpraxis. Sie verfolgt das Ziel, Tierärzte und Landwirte in diesem Veränderungsprozess zu unterstützen.
Theorie und Praxis verbinden
Die Tierärzte Dr. Andreas Striezel und Dr. Joachim Lübbo Kleen, beide erfahrene Spezialisten in der Bestandsbetreuung von Milchviehherden, führten als Referenten durch die zweitägige Veranstaltung, bei der die Vermittlung theoretischer Grundlagen durch einen Betriebsbesuch ergänzt wurde. So konnten die teilnehmenden Tierärzte ihr neu erworbenes Wissen gleich in die Tat umsetzen und vor Ort überprüfen. Am ersten Tag thematisierte der Workshop die Einflussfaktoren auf die Milchviehgesundheit, die im Zusammenhang mit Fütterung und Haltung stehen. Anschließend richteten die Referenten den Fokus auf die optimale Vorgehensweise bei Beratung, Kommunikation und Vermittlung der Beratungsinhalte. Denn eine der Herausforderungen einer Betriebsberatung ist häufig, die Landwirte auch zu überzeugen und Veränderungen zu bewirken.
Ein ganzheitliches Bild erstellen
Kernbestandteil des Workshops war die ganzheitliche Erfassung der Herdengesundheit und der Herdenleistung eines Milchviehbetriebes im Nordwesten Augsburgs. Dabei sollten die teilnehmenden Tierärzte den Betrieb nicht nur vor Ort anhand von zuvor bereitgestellten Daten und Fotos analysieren, sondern vor allem auch die Kommunikation mit dem Betriebsleiter trainieren und eigene Beobachtungen in die Analyse einfließen lassen. Die nächste Herausforderung für die Teilnehmer bestand darin, die gewonnenen Informationen so zu sortieren und zu gewichten, dass ein vollständiges Bild des Betriebes entsteht, das als Grundlage für die Beratung dienen kann. Dazu analysierten die Workshop-Teilnehmer die spezifischen Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren („SWOT-Analyse“). Aus den Daten erarbeiteten die Teilnehmer eine Konzeption für Verbesserungen im betrieblichen Ablauf. Im dem besuchten Betrieb wurden beispielsweise die Eutergesundheit und die Jungviehaufzucht als zwei Bereiche identifiziert, die zukünftig besser kontrolliert werden sollten. Das Fazit der Referenten nach Abschluss des Workshops fiel durchweg positiv aus. „Die Teilnehmer konnten sich von ihrem jeweiligen Wissensstand aus weiterentwickeln“, so Dr. Kleen. Doch auch die Vortragenden seien gefordert gewesen: „Zum einen muss der Referent jederzeit bereit sein, seine Inhalte in einer lebendigen Diskussion zu vertreten. Der besondere Reiz dieses Workshops lag natürlich darin, dass jedes Thema darüber hinaus sofort einem Praxistest unterzogen werden konnte. Gerade diese Praxisnähe war für die Teilnehmer sehr nutzbringend.“ Das sahen die Teilnehmer des Workshops genauso. Der Veranstaltung gelang es, das Interesse an umsetzbarer Bestandsbetreuung zu wecken und auszubauen – dies vor allem vor dem momentanen berufspolitischen Hintergrund. Mit dem Workshop wurde der Grundstein für die Etablierung der Bestandsbetreuung in der eigenen Praxis gelegt. Somit sind sie einen Schritt weiter auf dem Weg zur Nutztierpraxis von Morgen.
Kontakt:
Dr. Martina De Ponte
Med. Wiss. Services Nutztierprodukte
Bayer Vital GmbH
51368 Leverkusen
martina.deponte(at)bayer(dot)com





