10.01.2020

„Ruhestand“ fürs Handicap- Prinzip

Die großen, farbenfrohen sexuellen Darstellungen von Pfauen und anderen Vögeln, mit denen männliche Tiere weibliche Artgenossen anziehen, werden häufig als Beispiele für das sogenannte ...

Wien. – Die großen, farbenfrohen sexuellen Darstellungen von Pfauen und anderen Vögeln, mit denen männliche Tiere weibliche Artgenossen anziehen, werden häufig als Beispiele für das sogenannte Handicap-Prinzip angeführt. Ab 1975 argumentierte der israelische Zoologe und Naturschützer Amotz Zahavi, dass solche auffälligen Darstellungen „ehrliche“ Indikatoren für die genetische Qualität von Männern sind, weil ihre Herstellung kostspielig ist und minderwertige Männer sich den damit verbundenen Aufwand nicht leisten könnten. Nach dem Handicap-Prinzip entstehen auffällige Signale, weil sie kostspielig sind und nicht trotz ihrer Kosten, wie bei anderen Merkmalen.
1990 veröffentlichte der schottische Verhaltensbiologe Alan Grafen zwei Arbeiten mit mathematischen Modellen des „Strategic Choice Signaling“, die er als Bestätigung des Handicap-Prinzips interpretierte. Seine Schlussfolgerungen wurden weithin akzeptiert, auch von früheren Kritikern Zahavis. Seitdem hat sich das Handicap-Prinzip als allgemeines Prinzip, das die Entwicklung zuverlässiger Signale erklärt, durchgesetzt und wird als solches auch in Lehrbüchern zitiert.

In ihrer wissenschaftlichen Untersuchung weisen Wissenschaftler vom Konrad-Lorenz- Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) nun nach, dass es sich dabei um eine Reihe an Fehlinterpretationen mehrerer Studienergebnisse handelt. Demnach
sei es an der Zeit, das Handicap-Prinzip in einen „ehrenvollen Ruhestand“ zu führen.

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