27.09.2019

»Als Springreiter habe ich die Grenzen der konventionellen Lahmheitstherapie erfahren!«

Der belgische Tierarzt wird Vorreiter bei der Entwicklung ...

Jan Spaas, 33, Springreiter, Pferdetierarzt und Hauptgeschäftsführer von Global Stem Cell Technology (GST) machte als Reiter und Tierarzt die Erfahrung, dass die konventionelle Behandlung chronisch-degenerativer Gelenkveränderungen
mit Knorpelabbau und ihrer Vorstufen nur selten das gewünschte Ergebnis bringt. Deshalb suchte er nach Alternativen und entwickelte gemeinsam mit seinen Kollegen bei GST eine neuartige Behandlung auf der Basis von Stammzellen.

Der belgische Tierarzt wird Vorreiter bei der Entwicklung eines innovativen
Behandlungsansatzes wiederkehrender Lahmheit beim Pferd.

Herr Dr. Spaas, Sie sind passionierter Reiter. Schon als Teenager haben Sie in Ihrer Heimat Belgien und in anderen Ländern Europas Turniere gewonnen. Sie haben während Ihrer aktiven Zeit viele unterschiedliche Pferde geritten. Was sind Ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit Pferden unter Belastung?
Jan Spaas: Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Pferde eine wichtige Rolle spielten. Mein Vater war Pferdezüchter, es gehörte zu seiner Arbeit, auf die Gesundheit der Pferde zu achten. Ich selbst habe immer gut für meine Pferde gesorgt und sie jeden Tag noch ein wenig im Wald bewegt – zur Entspannung nach dem intensiven Training. Neben der regulären Arbeit bin ich zu Hause nur selten zusätzlich mit ihnen gesprungen, um die Gelenke und Bänder nicht noch mehr zu belasten. Trotzdem waren immer etwa drei von fünf Pferden in der Rehabilitation von Gelenk- oder Bänderverletzungen. Im Pferdesport lässt sich die Belastung der Gelenke nicht vermeiden, egal, ob beim Springreiten, bei der Dressur oder Vielseitigkeit. Die Pferde sind „Athleten“, ihre Gelenke und Bänder werden hohen Belastungen ausgesetzt.

Gibt es ein Schlüsselerlebnis, das Sie vom Reiten zur Tiermedizin
gebracht hat?

Im Jahr 2004 gewann ich die Bronzemedaille beim europäischen Springreitturnier in Vilamoura (Portugal), und am Tag des Finales wachte mein Hengst Takashi mit einem geschwollenen Bein auf. Er war ein sehr großes Pferd und die Stallbox auf dem Turnier relativ eng für ihn. Wir kauften ein Kühlgel in einem der Shops auf dem Turnier. Weil es eine kleine offene Wunde gab, konnte ein Wirkstoff aus dem Gel in die Wunde und ins Blut gelangen, was zu einem positiven Dopingtest führte. Ich war am Boden zerstört. Durch diesen Vorfall entschied ich, mich in meinem „Pferdeleben“ der Entwicklung von biologischen Behandlungsmethoden für Pferde zu widmen, damit Reiter ihre Pferde zu jedem Zeitpunkt ohne Bedenken behandeln lassen können.

Als Sie die Erkrankung aus der Perspektive des Tierarztes
betrachteten, was waren Ihre Erkenntnisse in Bezug auf
die Behandlung?

Als Reiter konnte ich mir nicht vorstellen, dass es keine erfolgversprechende Therapiemöglichkeit für Lahmheiten geben sollte. Ich dachte, die Tierärzte hätten bei meinen Pferden nicht die richtigen Diagnosen gestellt oder die falsche Behandlung gewählt. Als ich dann selbst Tierarzt war, wurde mir klar, dass es tatsächlich nur wenige Behandlungsoptionen gibt und sich die meisten Therapieansätze auf die Bekämpfung der Symptome, insbesondere der Schmerzen, und nicht auf die Ursachen konzentrieren. Das Behandeln der Symptome aber hat nur kurzzeitig Erfolg und führt zu vielen Rückfällen und wiederkehrenden Krankheitsbildern bei unseren Pferden.

Wann wurde Ihnen klar, dass der von Ihnen entwickelte
Therapieansatz etwas verändern würde?

Im Rahmen meiner Doktorarbeit gelang es mir, gesundes Knorpelgewebe im Reagenzglas heranzuzüchten. Die Tatsache, dass sich Stammzellen zu Knorpelgewebe ausbildeten, zeigte, dass sie in der Lage sein sollten, die Regeneration des Knorpels zumindest zu unterstützen.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen konventioneller
Therapie und Ihrem neuen Behandlungsansatz?

Die konventionelle Therapie konzentriert sich auf die Verminderung der Schmerzen und die Behandlung der Entzündung. Die am häufigsten eingesetzten Produkte sind dabei NSAIDs, Kortikosteroide, Glukosamin, Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure. Die Behandlungen degenerativer Gelenkerkrankungen fokussieren sich also in erster Linie auf eine Reduzierung der Symptome und nicht auf die Prävention einer weiter fortschreitenden Degeneration.
Um einen nachhaltigen Behandlungserfolg zu erzielen, müssen allerdings die Ursachen behandelt werden. Die häufigste Ursache von Gelenkerkrankungen sind Knorpelschäden und zelluläre Reaktionen auf Belastung. Chondrogen induzierte mesenchymale Stammzellen können lokale Knorpelzellen zur Regeneration anregen. Die Entzündung geht zurück, der Knorpel ist vor weiteren Schäden geschützt. Die Pferde können sich erholen und bleiben für längere Zeit beschwerdefrei, die Behandlung ist effektiver.

Die verschiedenen Disziplinen des Reitsports – Springreiten, Dressur, Vielseitigkeit – führen zu unterschiedlicher Belastung. Kann die Stammzellentherapie bei allen Fällen mit den gleichen Erfolgsaussichten angewendet werden?
Unsere Untersuchungsreihen wurden mit Pferden aus allen Disziplinen durchgeführt, alle haben auf die Therapie angesprochen. Dabei hängt die klinische Wirkung von vier Faktoren ab: von der Art des betroffenen Gelenkes, von der richtigen Diagnose, dem Entwicklungsgrad der Krankheit und dem Schweregrad der bestehenden Lahmheit. Natürlich sind auch Trainingsprogramm und Wettkampfslevel maßgeblich für den Belastungsgrad des Gelenks und damit für die Prognose.

Spielt das Alter des erkrankten Pferdes eine Rolle?
Unsere Studien zeigen keine Hinweise auf altersbedingte Behandlungseffekte. Allerdings ist das Alter der Spendertiere entscheidend. Einige wissenschaftliche Arbeiten belegen, dass jüngere Pferde eine höhere Stammzellenqualität aufweisen.

Wie wirkt die Stammzellentherapie?
Die Stammzellen werden im Labor so „programmiert“, dass sie bestimmte Signale aussenden, die den Knorpel dazu anregen, mehr sogenannte Matrixproteine zu erzeugen. Sie tun dies unter anderem durch die Produktion knorpelspezifischer Substanzen wie z.B. Aggrecan, Glykosaminoglykane und Kollagen Typ II, die die Knorpelreparatur unterstützen können. Dadurch erneuert er sich, wird widerstandsfähiger und ist vor weiteren Schäden besser geschützt.

Hilft die Therapie auch bei akuten Fällen? Wie schnell schlägt sie an?
Unsere Studien zeigen, dass bei akuten Fällen Schwellungen und Lahmheit innerhalb von zwei Wochen nach Behandlungsbeginn abklingen. Die Qualität der Gelenkflüssigkeit verbesserte sich signifikant innerhalb von zwei bis vier
Wochen nach der Behandlung.

Gibt es Hinweise auf allergische Reaktionen oder andere Überempfindlichkeitsreaktionen?
Nach der Injektion in das Gelenk sind eine vorübergehende moderate Verstärkung der Lahmheit und eine leichte Schwellung sowie ein Temperaturanstieg am Gelenk möglich. In unseren Untersuchungen gab es hierbei keine Unterschiede zwischen den mit dem Präparat behandelten Tieren
im Vergleich zu jenen, die ein Placebo erhalten hatten.

Konnten die mit dem Präparat behandelten Pferde ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit wiedererlangen? Was sollte man nach der Behandlung für eine stabile Erholung und Wiederherstellung beachten?
50 Prozent der von uns in einem Feldversuch behandelten Pferde waren im Laufe eines Jahres nach der Behandlung wieder voll leistungsfähig. Nach der Behandlung sollte das Pferd drei Tage Boxenruhe einhalten. Danach vier Tage Schritt (bis zum Ende der ersten Woche nach der Behandlung). In der zweiten Woche Schritt und Trab. In der dritten Woche sollte es eine tierärztliche Nachuntersuchung geben. Wenn alles zufriedenstellend ist, kann in der vierten Woche mit Galopptraining begonnen werden. Ab der sechsten Woche wieder normales Bewegungspensum. Wenn die Heilung nicht optimal verläuft, weiterhin Schritt und Trab – bis zur sechsten Woche. Dann sollte der Tierarzt erneut konsultiert werden.

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