10.01.2020

Vorgestellt: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Allein in der Europäischen Union sterben jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen ...

© Fotolia

Allein in der Europäischen Union sterben jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen, circa 2.300 davon in Deutschland. Für die Pharmaindustrie ist die Entwicklung neuer Antibiotika in den meisten Fällen allerdings wirtschaftlich uninteressant, weil sie als Reservepräparate bei sehr schwer behandelbaren Patienten möglichst selten zum Einsatz kommen sollen, sprich: selten verschrieben werden. Dies führt dazu, dass die Entwicklungslücke bei Antibiotika stetig größer wird. Forschende Unternehmen sind auf Partner angewiesen, die die ökonomischen Risiken mit ihnen teilen und ihren wissenschaftlichen Beitrag leisten. Genau an dieser Stelle setzt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) an.

2012 ergriff das Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Initiative zur Gründung des DZIF. Insgesamt hat das Zentrum 35 universitäre und außeruniversitäre Mitgliedseinrichtungen an sieben Standorten. Die Finanzierung der DZIF-Projekte und Stipendien erfolgt zu 90 Prozent aus Bundesmitteln und zu zehn Prozent aus Mitteln der beteiligten Länder. Die Entwicklung medizinischer Innovationen zu beschleunigen, ist das Ziel des Zentrums. Die Wissenschaftler führen ihre Projekte zu neuen Impfstoffen,
Diagnostika und Medikamenten bis zu präklinischen und klinischen Studien,
im Idealfall mit Unterstützung durch die Industrie auch bis zur Marktreife. Mehr
als 500 Wissenschaftler, darunter Grundlagenforscher im Labor, Epidemiologen
und klinische Forscher arbeiten in Projekten eng zusammen. Gemeinsam setzen
sie Forschungsergebnisse aus dem Labor schnell und zielgerichtet so um, dass sie mittel- oder langfristig Einzug in die klinische Praxis halten können. Neun thematische Schwerpunkte bündeln Projekte, die sich jeweils einem Erreger, einer wichtigen Erkrankung oder einem gemeinsamen Thema innerhalb der Infektionsforschung widmen. Neben Krankenhauskeimen und Antibiotikaresistenzen sowie neu auftretenden Infektionskrankheiten, die zu Epidemien führen können, stehen Tuberkulose, Hepatitis, HIV und Malaria genauso im Fokus der Forschung wie gastrointestinale Infektionen und Infektionskrankheiten bei immungeschwächten Patienten.

Dass Infektionsforscher international vernetzt denken und handeln sollten, wird durch stetig neu auftretende Krankheitserreger wie Zika-, Ebola- oder MERS-Viren deutlich. Mit Partner-Institutionen in Afrika und Europa arbeitet das DZIF schon von Beginn an zusammen. Mit dem französischen Institut INSERM (Institut national de la santé et de la recherche médicale) kooperiert das DZIF in der AIDS- und Hepatitis-Forschung. Außerdem ist das DZIF eine von neun Gründungsorganisationen der CARA-Initiative (Conscience of Antimicrobial Resistance Accountability) und engagiert sich in der Impfstoff-Initiative CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations). Auch an der Etablierung des
neuen „Global Antimicrobial Resistance Research and Development Hub“ mit Sitz in Berlin ist das DZIF beteiligt. Seit Anfang 2019 ist das DZIF außerdem einer von zehn Partnern im Accelerator-Netzwerk von CARB-X. CARB-X beschleunigt weltweit Projekte zur Entwicklung neuer Medikamente im Kampf gegen antibiotikaresistente Keime.

Quelle: DZIF

« zurück zu "News"

Share |