30.04.2018

Webinar zum Thema Tierärztliche Hausapothekenverordnung

So viele Fragen gab es noch bei keinem Webinar der Nutztierakademie von Bayer: Mehr als 800 Tierärzte...

So viele Fragen gab es noch bei keinem Webinar der Nutztierakademie von Bayer: Mehr als 800 Tierärzte besuchten die zweistündige Veranstaltung und stellten Rechtsanwalt Jürgen Althaus, einem Spezialisten für Tierarztrecht, im Chat mehr als 250 Fragen aus dem Praxis- alltag. Ein klares Indiz dafür, wie viel Rechtsunsicherheit unter den Berufs- kollegen bezüglich der bereits geltenden Neuerungen der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) besteht. Auf Initiative von Bayer und vet-consult wurde kurzfristig ein Webinar zum Thema veranstaltet. Der spezia- lisierte Rechtsanwalt verschaffte den Teilnehmern einen ersten Überblick über die neuen Paragraphen. Trotz erheblicher Kritik aus der Tierärzteschaft hatte der Bundesrat dem von der Bundesregierung erst vor zwei Monaten vorgelegten Entwurf der TÄHAV mit Ergänzungen zugestimmt. Ziel der Verordnung ist die Minimierung des Gebrauchs von Antibiotika, um die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern. Seitdem sind die Neuerungen in der Diskussion.

 

Anwesenheitspflicht für Nutztierärzte bei Antibiotikaabgabe: Die Verordnung fordert ausdrücklich eine Untersuchung der Tiere oder des Tierbestandes durch den Tierarzt in angemessenem Umfang. Eine „ordnungsgemäße Behandlung“ als Voraus- setzung jeglichen Tierarzneimitteleinsatzes kann in der Regel nicht auf Basis einer telefonischen Beratung begründet werden. Deshalb muss nun bei jeder Anwendung oder Abgabe von Antibiotika auch ein „Untersuchungsdatum“ angegeben werden. Es ist immer dann eine „klinische tierärztliche Untersuchung“ des Tieres oder der Tier- gruppe vorgeschrieben, wenn Antibiotika angewendet werden sollen. Das setzt die tatsächliche Anwesenheit des Hoftierarztes im Betrieb voraus.

 

Umwidmungsverbot für Reserveantibiotika und Antibiogrammpflicht: Cephalosporine der dritten oder vierten Generation oder Fluorchinolone dürfen bei Rindern, Schweinen, Puten, Hühnern, Hunden und Katzen nur noch abgegeben, verschrieben oder angewendet werden, wenn sie für diese Tierart zugelassen sind. Es sei denn, die notwendige arzneiliche Versorgung der Tiere ist ansonsten gefährdet. Die neue Verordnung schreibt insbesondere dann ein Antibiogramm vor, wenn bestimmte Tiergruppen antibiotisch behandelt werden, wenn länger als sieben Tage Antibiotika verabreicht und Reserveantibiotika eingesetzt werden. Außerdem besteht Antibiogrammpflicht bei Wirkstoffwechsel im Verlauf einer Behandlung und bei Umwidmung (im letzteren Fall auch bei Pferd, Hund oder Katze).

 

Zusätzliche Dokumentation in der Tierarztpraxis: Die Dokumentation im Anwendungs- und Abgabebeleg muss um das Untersuchungsdatum und das geschätzte Gewicht der Tiere (außer bei Abgabe bzw. Anwendung ausschließlich lokal wirkender Antibiotika, wie Eutertuben, Augensalben) erweitert werden. Bei Tieren, die dem Antibiotikamonitoring (Mast) unterliegen, ist zusätzlich die Nutzungsart, die Anzahl der Wirktage und die dem Betrieb gemäß der Vieh-Verkehrs-Verordnung erteilte Registriernummer anzugeben. Erforderliche Begründungen für die Wirkstoffauswahl, für eine mögliche Abweichung von der Antibiogrammpflicht sowie Informationen zu Art und Ergebnissen der Laboruntersuchungen werden die Praxiskarteien zusätzlich füllen. Diese erweiterten Nachweispflichten gelten auch für Tiere, die nicht der Lebensmittelgewinnung dienen (Pferde, Kleintiere).

 

Straftatbestand oder Ordnungswidrigkeit? Für die Praktiker ist der Umstand von Bedeutung, dass aus der neuen TÄHAV bußgeldrechtliche und strafrechtliche Risiken entstehen. Wer zum Beispiel ein systemisch wirksames Antibiotikum zur Behandlung abgibt, die Kuh aber nicht klinisch untersucht bzw. ordnungsgemäß behandelt, kann im Einzelfall eine Straftat begehen. Geschieht das mit einem anderen nicht antibiotischen Arzneimittel oder im Kleintierbereich, kann es sich immer noch um eine Ordnungswidrigkeit handeln. Ferner ist zu erwarten, dass die geschilderten Anforderungen auch Auswirkungen auf den Verlauf und das Ergebnis von Apotheken- kontrollen haben werden. Es kann daher nur empfohlen werden, die Neuerungen ernst zu nehmen, exakt umzusetzen und sich möglichst kurzfristig darauf einzustellen. Die Verordnung gilt seit dem 1. März 2018, Übergangsfristen sind nicht vorgesehen. Neue Ausführungsbestimmungen der Überwachungsbehörden sind bisher nicht bekannt.

 

www.vetportal.bayer.de

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