31.01.2020

Das Kuscheltierdrama. Ein Tierpathologe über das stille Leiden der Haustiere

Der Autor ist Leiter der Tierpathologie der Universität Berlin, stellt § 1 und § 2 des Tierschutzgesetzes an den Anfang seines Buches

Der Autor ist Leiter der Tierpathologie der Universität Berlin, stellt § 1 und § 2 des Tierschutzgesetzes an den Anfang seines Buches und gibt dem Leser damit seine Marschrichtung vor.

Zum einen besteht das Buch aus kürzeren oder längeren Histörchen, die der Autor nicht nur als Pathologe kompetent darstellt, sondern den Leser – egal ob Tierarzt oder nicht – mit sehr viel Geschick und Einfühlungsvermögen in seinen Bann schlägt. Wer mit dem Buch einmal angefangen hat, wird es vermutlich nicht zur Seite legen, bevor er es zu Ende gelesen hat – James Harriot aus der Sektionshalle, der hier ganz nebenbei eine große Reputation für sein Fachgebiet schafft.

Die andere Facette des Buches ist sehr viel tiefgründiger. Prof. Gruber gelingt es aus seiner Sicht – und er als Pathologe steht am Ende der Erkenntniskette – den Finger in die Wunden zu legen. Die Wunden, die wir Tierhalter, meistens unbewusst, in das Verhältnis zu unseren Tieren, mit denen wir ja eigentlich „kuscheln“ wollen, schlagen. Gruber macht dies nicht mit der fundamentalistischen Keule, sondern sehr viel subtiler, nachdenklicher und nachhaltiger, nahezu gleichnisartig. Das „Mortui vivos docent“ betrifft hier nicht nur die pathologischen Zusammenhänge, sondern vor allem die ethischen.

Prof. Gruber benutzt klare Worte, die nicht nur uns Tierärzte und Tierhaltern, sondern auch politischen Entscheidungsträgern zu denken geben sollten. Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz ist vollkommen sinnlos, solange er nicht gelebt und politisch umgesetzt wird. Ein wunderbares Buch, Pflichtlektüre für jede Tierärztin, jeden Tierarzt, absolut empfehlenswert.

TS

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