08.01.2019

Digitalisierung und Tierwohl: Ausblick auf die EuroTier 2018 und den bpt-Kongress in Hannover

Vom 15.-17. November wird der Bundesverband ...

Abb. 1: Welche Chancen bietet „Digital Animal Farming“? © Luke SW/Shutterstock.com

von Inge Brinkmann

 

Vom 15.-17. November wird der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) seinen Jahreskongress sowie die dazu gehörende Fachmesse „Veterinärmedizin“ wieder zeitlich überlappend mit der EuroTier (13.-16. November) auf dem Messegelände in Hannover durchführen. Bei beiden Events fällt auf, dass sie sich mit der Digitalisierung von Produktionsprozessen im Stall und auf dem Betrieb befassen. Die EuroTier steht sogar unter dem Leitthema „Digital Animal Farming“. Und ein Themenkreis auf dem bpt-Kongress am Samstag widmet sich modernen Konzepten zur Reduktion behandlungsbedürftiger Krankheitsfälle sowie der digitalen Rindermedizin.

Ein Themenkomplex, so heißt es auch in einer Pressemeldung der Eurotier, ist in dem Zusammenhang hoch emotional besetzt: Tierwohl. Bereits über die richtige Definition werde heftig diskutiert, heißt es von Seiten der Messe. Von den praktischen Maßnahmen ganz zu schweigen. Einigkeit bestehe aber in einem Punkt: Tierwohl und Gesundheit der Nutztiere hängen unmittelbar zusammen. Doch während für die Gesundheit der Tiere klare Parameter bestünden, sei u. a. die ethische Komponente des Tierwohls schwerer zu messen, gefühlte Größen reichten nicht aus. Der Erzeuger muss sie kennen, messen und bewerten. Und da komme auch die Digitalisierung ins Spiel.

Trete beispielsweise eine Ketose im Betrieb vermehrt auf, müssten die Ursachen erkannt und abgestellt werden. Ist die Futterration an den tatsächlichen Energiebedarf angepasst? Bestehen hier Zweifel, könne der digitale Betrieb auf entsprechende Daten zugreifen und am besten sofort die Qualität der Rationsbestandteile online checken (lassen). Aber auch Kühe mit Klauenproblemen gehen seltener zum Futtertisch, weil ihnen das Laufen schwerfällt. Sie fressen in Folge zu wenig. Die Daten zur Klauenpflege könnten dann zeigen, ob es eventuell einen Zusammenhang geben könnte, wiederum mit Blick auf das einzelne Tier und die gesamte Herde.

Der fehlende Nutzen von gut gemeinten und optisch ansprechenden, aber weniger hilfreichen Maßnahmen für das Tierwohl könne gleichsam mit digitalen Instrumenten, unter anderem Sensoren, leichter erkannt werden, heißt es ergänzend von der Tier-Messe. Eine Herausforderung bestehe darin zu vermitteln, dass digitale Betriebe mit rationalen Instrumenten eine Antwort auf die emotional geprägte Frage des Tierwohls geben könnten.

Die Bedeutung des Themas spiegelt sich auch in einer Premiere wider. So wird bei der EuroTier 2018 – neben den EuroTier-Gold- und Silbermedaillen für innovative Neuheiten – erstmalig ein Sonderpreis, welcher für Produkte ausgelobt wird, die im besonderen Maße den Anforderungen an einen höheren Tierwohlstandard gerecht werden, vergeben. Der „Animal Welfare Award“ (Tierwohlmedaille) wird gemeinsam vom bpt und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) verliehen und wird durch eine spezielle Kommission ausgewählt. Für die Auswahl entscheidend sind Innovationen in den Bereichen Tiergerechtheit und Tiergesundheit. Produkte, die die Ausübung arttypischer Verhaltensweisen fördern und die Gesundheit der Tiere positiv unterstützen, werden damit besonders hervorgehoben.

Digitaler Datenabgleich bringt Einblicke, die ansonsten kaum möglich wären. Der Einzelhandel wird in dieser Hinsicht den Erzeugern künftig (noch) mehr abverlangen. Damit daraus kein überraschender Eingriff in die unternehmerische Autonomie wird, empfiehlt die DLG dringend, dass die Landwirte frühzeitig klären, was sie leisten können und wollen.

Auch die tierärztliche Nutztierpraxis unterliegt den vielfältigen Veränderungsimpulsen, so heißt es ebenfalls in den Beschlüssen des letzten Deutschen Tierärztetages. Die Delegierten halten fest, dass medizinischer Fortschritt und der Einzug von Automatisierung und digitalen Techniken in der Tierhaltung und Tiermedizin die tierärztliche Bestandsbetreuung und Praxis rasant verändern. Damit Tierärztinnen und Tierärzte in der Nutztierpraxis ihrer Rolle heute und in Zukunft gemäß ihrem beruflichen und ethischen Selbstverständnis gerecht werden könnten, fordert der Deutsche Tierärztetag u. a., die Chancen der Digitalisierung (z. B. Telemedizin) zum Vorteil der Tiergesundheit zu nutzen und zu fördern – und gleichzeitig das Missbrauchspotential durch Online-Portale für Tierhalterinnen und Tierhalter, die zu Verstößen gegen Tierschutz, Arzneimittelrecht oder Tierseuchenvorbeugung führen können, intensiv zu überwachen.

Abb. 2: Tierärztinnen und Tierärzte sollten die Chancen der Digitalisierung zum Vorteil der Tiergesundheit nutzen und fördern. © goodluz/Shutterstock.com

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen über die vom 13. bis 16. November auf dem Messegelände in Hannover stattfindende EuroTier sind im Internet verfügbar unter https://www.eurotier.com.

 

Informationen über den vom 15.-17. November stattfindenden bpt-Kongress stehen auf der Website www.bpt-kongress.de zur Verfügung.

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