04.05.2018

Giardienbefall und die richtige Ernährung

Im Juli 2017 erreichte die Praxis der Anruf eines Welpenbesitzers, dessen Englische Bulldoge (männlich-unkastriert, 15 Wochen alt, 12 kg) einen Giardienbefall aufwies.

Abb. 1: Die vegetative Form (Trophozoit) von Giardia. © Laboklin, Bad Kissingen

Giardienbefall und die richtige Ernährung

 

von Gregor Berg

 

Im Juli 2017 erreichte die Praxis der Anruf eines Welpenbesitzers, dessen Englische Bulldoge (männlich-unkastriert, 15 Wochen alt, 12 kg) einen Giardienbefall aufwies. Der Besitzer erzählte, dass der Welpe unter Durchfall litt und an Gewicht verlor. Der Haustierarzt schickte eine Sammelkotprobe an ein Labor und die Diagnose „Giardienbefall“ konnte gestellt werden (Abb. 1, 2). Der Hund wurde gegen Giardien therapiert.

Der Besitzer war nun verunsichert und machte sich Gedanken über die Ernährung seines Welpen, da er im Internet einige widersprüchliche Aussagen darüber gelesen hatte. In Foren wurde ihm empfohlen, den Welpen jetzt zu barfen und ihm ausschließlich Fleisch zu füttern. Andere empfahlen eine Karottensuppe zu kochen, wieder andere sagten, er solle Fleisch kochen. Die meisten Tippgeber waren sich jedenfalls einig: Auf gar keinen Fall dürfe der Hund Kohlenhydrate zu sich nehmen, damit die Giardien „ausgehungert“ werden. Sogar die Gabe von für Hunde giftigen Knoblauchs wurde ihm angeraten.

Zusätzlich dazu machte sich der Besitzer Sorgen wegen der aus seiner Sicht zu geringen Gewichtsentwicklung seines Welpen.

 

Fütterungsempfehlung

Der Welpe soll mit einem Diät-Alleinfuttermittel für Durchfallerkrankungen gefüttert werden. Die wesentlichen ernährungsphysiologischen Merkmale eines solchen Spezialfutters sind ein erhöhter Elektrolytgehalt und leichtverdauliche Ausgangserzeugnisse, wozu gerade auch Kohlenhydrate gehören.

Es ist richtig, dass Giardien aus dem Darmlumen Kohlenhydrate aufnehmen und verstoffwechseln (Lehrbuch „Veterinärmedizinische Parasitologie“).

Warum sind die Ratschläge vieler selbsternannter Experten im Internet trotzdem falsch?

 

·         Ein Hund mit massivem Durchfall braucht Energie, da er ja wichtige Nährstoffe über den Darm verliert. Er ist dadurch geschwächt und verliert an Gewicht. Leichtverdauliche Kohlenhydrate sind ein wichtiger Energielieferant für den Hundekörper und sollten deswegen nicht drastisch aus der Ration verbannt werden.

·         Der Darm ist bei Durchfall in Mitleidenschaft gezogen und kann Nährstoffe unter Umständen nicht mehr so gut resorbieren. Dem Darm sollten deshalb Kohlenhydrate zur Verfügung stehen, die er leicht aufnehmen kann, um einerseits den Körper zu ernähren, andererseits um seine eigenen Zellen zu versorgen.

·         Die nützliche Darmflora, also die Bakterien, die im Darm leben, benötigen Kohlenhydrate als Energielieferanten. Auch diese wichtigen Helfer im Körper würden „ausgehungert“ werden.

·         Einen Hund, der schweren Durchfall hat, sollte man nicht ad hoc von kommerziellem Futter auf z. B. kohlenhydratfreies Barf umstellen, da es eine zusätzliche Belastung für den Verdauungstrakt wäre und den Durchfall sogar verstärken oder verlängern könnte.

·         Barfen bei Durchfall ist generell mit Vorsicht zu genießen, da bei Durchfall die Darmschranke gestört sein kann und Keime, die sich auf rohem Futter befinden, in den Körper einwandern können. Meist ist auch das Immunsystem bei einer Durchfallerkrankung nicht optimal stark, so dass es zu heftigen Erkrankungen führen kann.

·         Die sogenannte „Morosche Karottensuppe“, von der im Internet die Rede ist, schadet vermutlich nicht. Jedoch sollte man einen Hund und schon gar nicht einen Welpen über einen längeren Zeitraum damit füttern, weil nicht alle Nährstoffe in ausreichendem Maße darin enthalten sind.

 

Der Welpe sollte eine Woche über das Abklingen des Durchfalls hinaus eine kommerzielle Durchfall-Diät eines darauf spezialisierten Herstellers gefüttert bekommen. Laut Berechnung sollte Conor 130 g des Futters täglich fressen.

Nach vier Wochen gab es eine Nachbesprechung mit dem Besitzer. Er erzählte, dass bei einer erneuten Sammelkotprobe keine Giardien mehr nachweisbar waren. Bereits nach drei Tagen Fütterung mit dem Spezialfutter wurde der Durchfall besser. Nach einer Woche war der Kot breiig bis fest, nach zwei Wochen war der Kot wieder ganz normal und der Hund erledigte wieder höchstens zweimal pro Tag sein großes Geschäft.

Damit der Besitzer die Gewichtsentwicklung des Welpen im Blick hat, wurde für ihn eine Wachstumskurve erstellt.

 

Anmerkung:

Der Artikel erschien zuerst auf www.hunderunden.de.

 

Dr. Gregor Berg ist Tierarzt und Futtermittelexperte mit jahrelanger Erfahrung in der Kleintiermedizin und Ernährungsberatung sowie der Produktionshygiene und Lebensmittelüberwachung. Bereits während des Tiermedizinstudiums und der darauf folgenden Tätigkeiten in renommierten Tierkliniken befasste er sich hauptsächlich mit Innerer Medizin und spezieller Diätetik, d. h. mit Krankheiten wie beispielsweise Durchfall, Allergien oder Diabetes mellitus, deren Auswirkungen auf den Organismus und einer darauf zugeschnittenen Ernährung.

 

Dr. Gregor Berg

Tierarztpraxis für Ernährungsberatung

Am Schafberg 2

93486 Runding

Tel: 09944 3076141

www.gregorberg.com

 

Abb. 2: Giardia Zysten © Laboklin, Bad Kissingen

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