08.01.2019

Immunokastration als Goldstandard

Bericht vom Symposium der LTK Baden-Württemberg. Bei einem von der Landestierärztekammer Baden-Württemberg initiierten Symposium zum Thema Ferkelkastration in Mannheim am 17. Oktober...

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Bei einem von der Landestierärztekammer Baden-Württemberg initiierten
Symposium zum Thema Ferkelkastration in Mannheim am 17. Oktober fanden sich kaum Gegenstimmen zu der vorherrschenden Meinung: Keine chirurgische Kastration ist jeder denkbaren Variante der chirurgischen Kastration vorzuziehen. Die Methode der Wahl ist daher die Immunokastration. Die geplante Fristverlängerung für das Verbot der chirurgischen Kastration um zwei Jahre fand deutliche Kritik.


Neue Methoden müssen sich an der Immunokastration messen
Es blieb letztendlich das Unverständnis der Tierärzte darüber, wieviel Energie
von Seiten der Politik in weniger geeignete Verfahren gesteckt wird, anstatt die
Überwindung der Barrieren anzugehen, die (vermeintlich) der Einführung der
tierschutz-und arzneimittelrechtskonformen Variante entgegenstehen. Dr.
Thomas Steidl, Präsident der Landestierärztekammer Baden-Württemberg:
„Wenn eine Fristverlängerung überhaupt vertretbar ist, so muss für alle neu entwickelten Methoden gelten, dass sie an der Immunokastration gemessen werden.“
„Die Verlängerung darf nicht dazu benutzt werden, dem sog. 4. Weg, also der
Kastration unter Lokalanästhesie, weiter das Wort zu reden“, so Dr. Julia Stubenbord, Landestierschutzbeauftragte in Baden-Württemberg. Die ebenfalls von der Landwirtschaft angestrebte Variante, unter dem Narkosegas Isofluran zu kastrieren, wird ebenfalls sehr kritisch gesehen. Steidl dazu: „Isofluran ist problematisch, was Arbeits-und Umweltschutz angeht. Davon abgesehen gehören Narkosemittel nicht in Laienhände.“
Ein wichtiger Aspekt, der bisher in der Diskussion kaum beachtet wurde: Die Eröffnung von Haut und Hodensack im Rahmen der chirurgischen Kastration schafft eine formidable Eintrittspforte für Erreger. Entstehende Infektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden. Und das in Zeiten der Antibiotikaminimierung. Auch wenn sich die Einführung der Immunokastration derzeit noch gewissen Schwierigkeiten in der Vermarktungskette gegenübersieht, wurde in der Diskussion keine davon als unlösbar bewertet –
auch von den anwesenden Vertretern des Einzelhandels.
Bei dem Symposium kamen Tierärzte, aber auch Vertreter der Landwirtschaft und des Einzelhandels zu Wort. Spontaner Gast war Prof. Jens Bülte, Lehrstuhlinhaber für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts-und Steuerstrafrecht an der Universität Mannheim, der seine Einschätzung zur Verfassungswidrigkeit der Fristverlängerung erläuterte, die er kürzlich
beim Fachgespräch im Bundestag vertreten hatte. Prof. Thomas Blaha von
der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz stellte eine ethische Bewertung
der verschiedenen Methoden vor, die Methoden selbst wurden von Prof. Sabine
Tacke (Universität Gießen) und Prof. Wolf Erhardt (Universität München)
beleuchtet. Prof. Volker Stefanski von der Uni Hohenheim stellte aktuelle Forschungsergebnisse zur Immunokastration vor, und Inken Bubeck und Annukka Gehring stellten die Sicht des Einzelhandels dar. Abschließend zeigte Dr. Anke Zankl Eindrücke der Anwendung der Immunokastration in der Praxis.

 

Kontakt:
Julia Schultz
Landestierärztekammer
Baden-Württemberg
Haus der Tierärzte
Am Krähenwald 219
70193 Stuttgart
j.schultz@ltk-bw.de

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